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Panoramakopf im Eigenbau

Motivation

Die grandiose Rundumsicht auf vielen Berggipfeln reizt besonders, die Eindrücke auch per Foto festzuhalten. Bei ersten Versuchen vor einigen Jahren wurden zunächst freihand gemachte Papierbilder zu einem zusammenhängenden Panorama zusammengeklebt. Schnell wurde dabei deutlich, dass dies wegen diverser Verzerrungen der Abbildung nur unzureichende Ergebnisse lieferte.

Mit dem Siegeszug der Digitalfotografie tauchten dann auch diverse Programme zum Zusammenfügen (stiching) der nun auf dem Computer verfügbaren Einzelbilder auf. Die einzige Hürde für den Einstieg in die Welt der Panoramafotografie war nur noch die Beschaffung eines geeigneten Panoramakopfes. Dabei handelt es sich um einen Aufbau, der die definierte Rotation der Kamera in der horizontalen Ebene erlaubt. Diese Drehung muss um den so genannten Nodalpunkt (auf der optischen Achse des Objektivs) erfolgen, damit es nicht zu perspektivischem Versatz zwischen Vorder- und Hintergrundobjekten kommt.

Idee

Von den recht teuren kommerziell erhältlichen Panoramaköpfen abgesehen, findet man derzeit (September 2005) nur mehr oder weniger aufwändige und arbeitsintensive Selbstbaukonstruktionen im Netz. In der Regel basieren sie auf einem (teuren) Fotostativ mit einem aus diversen Einzelteilen konstruierten Adapter, der eine gezielte horizontale Drehung der befestigten Kamera erlaubt.

Nivellierteller und Kameraadapter des Panoramakopfes

Nivellierteller und Kameraadapter

Die hier im Folgenden beschriebene relativ preiswerte Lösung unter Verwendung eines Laser-Wasserwaagen-Kompletsets aus dem Baumarkt wurde im Web nach hiesigem Kenntnisstand bisher noch nicht beschrieben. Dabei erweist sich das darin enthaltene Teleskopstativ als ideal geeignet für die Panoramafotografie, da es naturgemäß bereits alle nötigen Merkmale aufweist. Es ist ausreichend stabil, die Drehebene lässt sich sowohl grob als auch fein anhand einer Libelle justieren und der Nivellierteller verfügt über eine Drehwinkelanzeige, mit dem bequem jeder beliebige Winkel einstellbar ist. Außerdem hat man noch eine Wasserwaage samt Laser parat für das nächste größere Bau- oder Heimwerkerprojekt. Einzig ein simpler Holzadapter zur Kamerabefestigung muss noch angefertigt werden, wobei man hier auf Holzabfälle aus dem Bastelkeller zurückgreifen kann, sodass an Kosten nur die etwa € 25,- für das Laser-Wasserwaagen-Set anfallen.

Realisation

Panoramakopf, Seitenansicht

Panoramakopf:
Nivellierteller mit
Klemmvorrichtung und
Drehwinkelanzeige
Panoramakopf mit Markierung

Panoramakopf
mit Markierung nach
Nodalpunktjustierung
 

Anhand der Fotos ersichtlich besteht der Adapter lediglich aus einer Sperrholzplatte, die auf eine Leiste geschraubt ist. Die Stärke der Leiste wurde dabei so gewählt, dass sie passgenau als Ersatz für die Laserwasserwaage in der Nut des Nivelliertellers sitzt, aber noch beweglich ist und mit dem Klemmmechanismus fixiert werden kann. Die Kamera muss nun so auf der Holzplatte befestigt werden, dass das Objektiv (genauer: die optische Achse) in der Mitte über der Nut angeordnet ist. Bei der verwendeten Olympus OM2 war die Befestigungsschraube dazu mittig über der Nut des Nivelliertellers anzubringen und die Kamera per Augenmaß auszurichten. Markiert man noch die Umrisse des Kameragehäuses, lässt sich alles später wieder schnell zusammenbauen.

Schließlich ist noch die Position der Leiste zu ermitteln, bei der die Drehachse durch den Nodalpunkt verläuft. Dazu bringt man im Vordergrund einen spitzen Gegenstand an, der bei Betrachtung durch den Sucher mit einer senkrechten Linie im Hintergrund zur Deckung kommt. Nun beobachtet man durch den Sucher wie sich Spitze und Linie bei Drehung der Kamera gegeneinander verschieben. Dann bewegt man die Kamera mitsamt Adapter entlang der Nut im Nivellierteller etwas vor oder zurück, beobachtet erneut und wiederholt das ganze Spiel solange, bis Vorder- und Hintergrund bei Drehung innerhalb des Bildausschnitts immer deckungsgleich bleiben. Anschließend wird eine weitere Markierung auf der Leiste und dem Nivellierteller angebracht. Werden unterschiedliche Objektive verwandt, muss der Nodalpunkt für jedes Objektiv individuell ermittelt und entsprechend markiert werden. Detaillierte Anleitungen mit Bildern zu dieser Prozedur finden sich z.B. bei Panoguide: 'Using panoramic head' oder digitalkamera.de 'Der richtiger Drehpunkt'.

Viel Spaß bei den ersten Panoramaaufnahmen!

Panoramakopf, rückwärtige Ansicht

Noch ein Tipp für die Praxis:
Ein gut sichtbar angebrachter Zettel mit Winkeleinstellungen für die Aufnahmen vermeidet Fehleinstellungen, die sich vor lauter Begeisterung über die tolle Aussicht und den Gipfelerfolg gelegentlich einschleichen.

 

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